Filmkritik: Jakobowsky und der Oberst (Peter Glenville, 1952)

Copyright: Sony Pictures

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Am Humor scheiden sich oft die Geister, ist doch das Humorempfinden von Person zu Person ganz unterschiedlich. Trotzdem schafft es nur der Humor, auch der schrecklichsten Situation etwas Heiteres abzugewinnen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Filmgeschichte daher auch immer wieder Komödien vor dem Hintergrund des Krieges hervorgebracht hat. So auch Peter Glenvilles Jakobowksy und der Oberst (OT: Me and the Colonel, 1957) mit Danny Kaye und Curd Jürgens in den Hauptrollen, der 1958 in die Kinos kam und auf dem gleichnamigen Theaterstück Franz Werfels basiert.

Paris, 1940: Die Truppen des dritten Reichs stehen kurz davor, die Stadt der Lichter einzunehmen. Der polnische Jude S. L. Jakobowsky (Danny Kaye), der zuvor schon mehrere Male vor den Nazis fliehen musste, ist daher in Frankreich auch nicht mehr sicher und will weiter gen Süden ziehen. Ebenfalls in Paris und sogar im gleichen Hotel wie Jakobowsky hält sich der polnische Colonel Prokoszny (Curd Jürgens) auf, der vor dem Einmarsch der deutschen Truppen geheime Informationen zum polnischen Widerstand nach England transportieren soll. Der aristokratische und antisemitische Prokoszny denkt natürlich nicht daran, Jakobowsky mitzunehmen. Doch als Prokosznys Transportmittel aufgrund eines Unfalls außer Gefecht gesetzt wird und Jakobowksy den scheinbar letzten fahrbaren Untersatz von ganz Paris auftreiben kann, muss sich Prokoszny geschlagen geben und so macht sich das ungleiche Duo auf den Weg nach Süden – mit einem kleinen Umweg, um Prokosznys Freundin Suzanne abzuholen…

Der Film bzw. das Theaterstück greift dabei auf die bekannten Elemente des sogenannten Buddy-Films zurück, bei denen die beiden gegensätzlichen Protagonisten aufgrund von Umwelteinflüssen gezwungen werden, ein Problem bzw. eine Aufgabe gemeinsam zu lösen. Auf Jakobowksy und der Oberst bezogen wäre dies primär die Flucht vor den deutschen Truppen und das Übermitteln der Informationen zum polnischen Widerstand. Und fürwahr generiert der Film seinen Reiz und auch seinen Unterhaltungswert aus den krass gegensätzlichen Charakteren Prokoszny und Jakobowsky.

Während Prokoszny zum Beispiel äußerst einsilbig, wenn nicht sogar einfältig und doch todesmutig und keinem Kampf aus dem Wege gehend, ist, zeichnet sich Jakobowksy vor allem durch seine Schläue und Eloquenz aus. Kein Wunder also, dass hier zwei Welten aufeinanderprallen und natürlich auch wenig verwunderlich, dass es am Ende eine Kombination der Tugenden beider Protagonisten ist, die zum Erfolg führen wird. Der Zuschauer profitiert natürlich davon und kann sich daher diebisch an Szenen wie diesen erfreuen, wenn Jakobowsky einen Rolls Royce des Baron von Rothschild organisiert, mit dem der spätere Vierertrupp dann unterwegs ist oder Prokoszny als den zukünftigen Königs von Frankreich vorstellt, um bei einem Monarchieanhänger für eine Nacht in einem Schloss unterzukommen.

Als eine Art Blitzableiter zwischen den Beiden fungiert Prokosznys Untergebener Szabuniewicz (Akim Tamiroff), der die Wutausbrüche und Gemütsschwankungen seines Vorgesetzten stoisch über sich ergehen lässt. Weitere Würze erhält die Geschichte durch Suzannes (Nicole Maurey) Charakter, die sichtlich angetan ist von der Intelligenz und Gewitztheit Jakobowskys. Dies ruft natürlich die Eifersucht Prokosznys auf den Plan und für weiteres Konfliktpotential ist gesorgt und der Zuschauer freut sich, wenn Jürgens und Kaye ein weiteres Mal aufeinanderprallen.

Der Zweite Weltkrieg, vor dessen Kulisse die ganze Geschichte spielt, gerät dabei in Vergessenheit und der Film versucht auch nicht, dieses Setting noch großartig für eine Botschaft zu verwenden und im Grunde hätte der Film auch vor einem ganz anderen Hintergrund ähnlich gut funktioniert. So hinterlässt Jakobowsky und der Oberst dann auch keinen leicht bitteren – in diesem Fall positiv gemeint – wie z.B. Lubitschs Sein oder Nichtsein (1942), der doch noch mehr zum Nachdenken anregt, sondern kitzelt unbedarfter die Lachmuskeln seiner Zuschauer. Manchmal ist dies aber auch vollkommen ausreichend – wie bei diesem Film.

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