Filmkritik: Die Sonntagsfrau (Luigi Comencini, 1975)

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Das italienische Autoren-Duo (Carlo) Fruttero & (Franco) Lucentini gehört sicherlich zu den namhafteren, literarischen Exporten aus dem Land mit der Stiefelspitze. Ihr 1972 erschienener Kriminalroman „La donna della domenica (Die Sonntagsfrau)“ avancierte schnell zu einem internationalen Erfolg und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass der europäische Arm der 20th Century Fox sich schon 1975 des Stoffes annahm und Die Sonntagsfrau (OT: La donna della domenica) als Kinofilm auch auf die Leinwand brachte. Dabei ließ man es sich nicht nehmen, einige der namhaftesten Schauspieler der Dekade zu verpflichten und so geben sich in Luigi Comencinis Verfilmung die fabelhaften Marcello Mastroianni, Jean-Louis Trintignant und Jacqueline Bisset die Ehre.

Nachdem der sexistische Architekt Garrone Opfer eines bizarren Mordes wird, steht der ermittelnde Commissario Santamaria (Marcello Mastroianni), der selbst aus Sizilien stammt, vor einem verwirrenden Puzzle, welches ihn schnell in die Sphären der Turiner High Society führt. Ganz oben auf seiner Liste der Verdächtigen sind die schöne Industriellengattin Anna Carla Dosio (Jacqueline Bisset) und ihr guter Bekannter Massimo Campi (Jean-Louis Trintignant), die aufgrund eines eindeutigen Briefes von Santamaria ins Visier genommen werden. Doch Dosio und Campi sind nicht die einzigen Verdächtigen in diesem Mordfall und während Santamaria immer tiefere Einblicke hinter die Fassade der Turiner Schickeria erhält, entwickelt er auch noch ein privates Interesse an der schönen Anna Carla…

Kenner des italienischen Kinos werden angesichts Comencinis Nennung als Regisseur sicherlich hellhörig geworden sein, ist er doch viel eher für seine Komödien bekannt, denn für seinen Beitrag zum italienischen Kriminalfilm. Insofern dürfte es auch weniger verwunderlich sein, dass sich schon recht früh zu Beginn des Films herausstellt, dass man es hier weniger mit einem knallharten Krimi oder gar Giallo zu tun hat. Die Sonntagsfrau ist viel eher eine Kriminalkomödie, die versucht, die Turiner Upper Class zu dekonstruieren, zeichnen sich doch Fruttero & Lucentinis Romane oft durch eine gesellschaftskritische Note aus, die natürlich auch in der Verfilmung nicht fehlen darf. Nichtsdestotrotz wartet der Film doch auch mit all jenen Zutaten auf, die eben einen dieser eingangs genannten Genrevertreter ausmachen. So fängt Kameramann Luciano Tovoli ein wunderbar, stimmiges Bild Turins ein mit all seinen dekadenten aber leicht heruntergekommenen Herrenhäusern, die den Grundtenor des Films sehr schön reflektieren. Dazu passt auch der herrlich unaufdringliche Score Ennio Morricones, der das Geschehen akustisch untermalt.

Und doch – oder gerade deshalb – wirkt der Film bisweilen etwas holprig und skurril. Letzteres ist zwar aufgrund der im Film aufkommenden Charaktere natürlich gewollt, die ihrerseits sinnbildlich für die Dekadenz der Turiner Oberschicht sind aber die Skurrilität bezieht sich eher auf die Erzählweise im Film. Der Kontrast zwischen der Kriminalgeschichte und den eher satirischen, humoristischen Momenten hinterlässt nämlich einen unbefriedigenden Beigeschmack, der vielleicht auch noch durch die in einigen Szenen zu flapsig wirkende deutsche Synchronisation verstärkt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass der Humor nicht selten durch die Tatsache erzeugt wird, dass Commissario Santamaria als Sizilianer mit den piemontäser Gepflogenheiten und Eigenheiten nicht vertraut ist. Für nicht italienische Zuschauer sind diese Szenen daher nicht ganz so wirksam und stellenweise auch nicht ganz so leicht nachvollziehbar.

Ein wahres Fest hingegen – und hier dürften alle Zuschauer zustimmen – sind die in dem Film agierenden Schauspieler. Wenn Marcello Mastroianni und Jean-Louis Trintignant wild gestikulierend ein hitziges Gespräch führen, sich ekstatisch anschreien, dann hüpft das kleine Cineastenherz einfach auf und ab. Dazu die überaus hübsche Jacqueline Bisset, die als Femme Fatale, wenngleich in einer Light-Variante, über die Leinwand schreitet und dabei nicht nur Commissario Santamaria den Kopf verdreht und bei der man sich bis zur Auflösung des Falls schlicht nicht sicher sein kann, ob sie nun doch in den Mord verwickelt ist oder nicht. Aber auch die Nebenrollen sind gut besetzt und neben einigen bekannteren Gesichtern sticht hier vor allem Aldo Reggiani hervor, der im Film Massimos Liebhaber spielt und der immer wieder herrlich impulsiv auf Massimos Zurückweisungen reagiert.

Schlussendlich ist Die Sonntagsfrau mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu betrachten. Es weint, weil die Geschichte, wie schon beschrieben, etwas zu unharmonisch präsentiert wird und man als Zuschauer oft zu sehr zwischen den Stühlen Komödie und Kriminalfilm sitzt und andererseits lacht es, weil man großartige Schauspieler in einem schön fotografierten Film sehen darf, dessen Story dann irgendwie doch halbwegs funktioniert. Freunde des europäischen Kinos jener Epoche kommen sowieso nicht umher, einen Blick zu riskieren.

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